Hüftdysplasie bei Säuglingen

Wenn die kleinen Hüften bereits therapiebedürftig sind.

Kleines Vorwort:
Ich bin eine einfache Mama
und besitze keine Ausbildung im orthopädischen oder ähnlichen Bereich. Lediglich teile ich meine Erfahrungen und meine Erlebnisse mit Dir Das hier aufgeschriebene Wissen, habe ich mir in vielerlei Recherche angelesen. Es soll auch keinerlei Bewertung der Therapiemöglichkeiten sein, dafür gibt es Fachpersonal.
Für alle Interessierten, welche sich tiefgehender mit dem Thema auseinandersetzen möchten, findet ihr meine Quellen am Ende des Blogartikels.

Warum ich das mit Dir teile? Ich möchte dir zeigen, dass du nicht allein bist.

Foto: Privat/ meine Tochter (etwa 10 Tage alt) trägt hier eine Superior-Spreizorthese

Als das Sommermädchen 2016 zur Welt gekommen ist, wurde bei ihr bereits zur U2 eine Hüftsonografie durchgeführt. Hier wurde diagnostiziert, dass sie Dysplasieanzeichen an den Hüften hat und es wurde umgehend ein Termin im nächsten Krankenhaus mit Fachrichtung zur Orthopädie ausgemacht. Bis zu diesem Termin wurden wir beauftragt breit zu wickeln.
Diese Wickeltechnik kannte ich bereits aus Geburtvorbereitungskurs meiner Hebamme. Vorerst dachte ich mir erstmal nichts schlimmeres dabei.

Kleiner Exkurs:

Seit 1973 werden die Hüften von Säuglingen anhand des Ortolanie-Zeichens („Schnappzeichens“), der Symmetrie der Oberschenkelhautfalten und der Abspreizfähigkeit der Beinen überprüft. Damit sich unreife therapiebedüftige Hüften bestmöglich entwickeln können wurde seit 1996 der Hüftultraschall im Rahmen der U3-Untersuchung eingeführt, denn ein früher Start ist die optimale Vorraussetzung für die Ausheilung/Ausreifung der Hüften.

Vorstellung in der Orthopädie

Wir fuhren also mit unserer Maus in die Orthopädie. Beim ersten Termin war sie gerade 7 Tage alt. Bis dahin hatten wir fleißig breit gewickelt.
Der Arzt führte nochmals die Sonografie durch. Dabei misst er die Winkel, welche vom Hüftpfannendach zum Hüftgelenk stehen (Alpha- und Beta-Winkel). Diese Winkel sind in verschiedene Kategorien (Was das bedeutet verlinke ich euch hier!) unterteilt. Sommermädchen hatte eine IIa und eine IIb Hüfte. Das hieß therapiebedürftig und wir bekamen die Tübinger Hüftbeugschiene.
Wir waren erstmal erschrocken.
Was wir nicht wussten, ist dass dieser Befund sehr häufig gestellt wird. Hättet ihr gedacht, dass etwa 3 von 100 Neugeborenen eine diagnostizierte Hüftdysplasie haben? (Quelle: netdoktor.de). Häufiger davon betroffen sind Mädchen.

Schreiendes Baby – Ratlose Eltern

Wir nahmen also unser, wie ein DHL-Paket zusammen geschnürtes Baby mit nach Hause. Vorerst war es noch okay. Ein Glück durften wir die Schiene für 1h am Tag vom Körper nehmen. Dies beinhaltete alle Wickelzeiten und die der Durchführung zur Körperhygiene. Leider nicht wirklich viel. Aber was eben muss – das muss.
Als das Windeln anstand, ging es schon los. Wir nahmen die Schiene ab, wickelten und … bekamen sie nicht mehr angelegt.
Unser Mäuschen wehrte sich so schlimm, dass wir zu zweit die markierten Kügelchen wieder in die Vorrichtung klipsten mussten. Die Maus schrie und schrie und schrie. Es gefiel ihr überhaupt nicht. An dieser Stelle sollte ich auch erwähnen, dass sie durch die Geburt einige Blockaden hatte. Alles in allem war es für sie augenscheinlich sehr unangenehm. Es half nichts. Die Schiene musste ja getragen werden.

Nur sprechenden Eltern kann geholfen werden

Nach 2 schlaflosen Nächten, in denen wir unsere Tochter abwechselnd durch die Nacht schaukelten vereinbarten wir einen neuen Termin in der Orthopädie. Denn sie beruhigte sich erst, wenn sie von der Schiene befreit war. Der diensthabenden Ärztin schilderten wir unser Problem. Gott sei Dank fand sie schnell eine andere Lösung für uns. Wir bekamen die Spreizorthese der Firma „Superior“.

Foto: Privat /Rückseite der Superior-Hüftspreizorthese/ Sie liegt hier in Bauchlage gestützt auf deinem Stillkissen

Ich hatte das Gefühl, dass meine Kleine sie durchaus besser tolerierte als die Tübinger Hüftbeugschiene.
Sie war vom Material her weicher und sie ließ sich für mich persönlich einfacher anlegen. Ich bekam mit, dass die Tübinger Hüftbeugschiene häufiger verordnet wurde. Ich kann mir nur vorstellen, dass sie sich durch die „Kugelträger“ präziser einstellen lässt und die Beine in der Anhockspreizhaltung besser gehalten werden. Das hierfür eine Alternative gefunden wurde, war ich sehr dankbar.

Foto: Privat
In diesen Situationen hilft Kuscheln um es für alle angenehmer zu gestalten.

Nach 10 Wochen Therapie war alles überstanden

Die Therapie prognostizierten die Ärzte etwa für 10 Wochen.
So langsam hatten wir uns an diese gewöhnt. Man wusste genau wie man diese Anlegen musste, um eine Anhockspreizhaltung im 90° – Winkel zu erreichen.
Zusätzlich waren wir bei einer Kinderostheopathin. Sie spürte Dysbalancen auf und löste diese mit sanften Druck.
Tatsächlich nach 10 Wochen hatten wir es geschafft. Die Hüften hatten sich auf Ia & Ib verbessert.

Wie ging es danach weiter?

Sommermädchen entwickelte sich körperlich ganz normal. Sie konnte sich mit 4/5 Monaten von dem Rücken auf dem Bauch drehen und vor ihrem ersten Geburtstag laufen wie ein Weltmeister. Mit 8 Monaten stand nochmals eine Kontrolle beim Orthopäden an, hier war alles in Ordnung. Kontrollen erfolgen jetzt nur noch bei Auffälligkeiten.

Hüftsonografie bei Tochter Nr. 2

Als das Wintermädchen Anfang 2020 zur Welt kam, war mein größter Wunsch, dass alles gesund ist.
Ich wollte keine Rennereien und keine zusätzlichen Arzttermine. Meine Wochenbettzeit wollte ich genießen, wie es eben mit einem großen Kind in der Autonomiephase ging.
In der Entbindungsklinik hatten sie bei der U2 gefragt, ob es in der Familie hinweise auf Hüftdysplasie gäbe. Ich schilderte, dass meine Erstgeborene eine Hüftdysplasie hatte, welche mit einer Anhockspreizorthese therapiert wurde.
Sie schallten die Maus und sie hatte zu diesem Zeitpunkt eine Ib und Ib Hüfte diagnostiziert bekommen. Keine Auffälligkeiten.
Ich wickelte sie dennoch bis zur U3 breit. Übrigens auch bei gesunden Hüften wird breites Wickeln empfohlen um eine optimale Ausreifung zu erzielen. (vgl. E. Fettweis)

Breit Wickeln – aber richtig!

Ich wickle immer mit einem Spucktuch/Mullwindel breit. Dabei achte ich dass die Seiten immer in den Kniekehlen liegen, ähnlich wie beim Tragen in Anhockspreizhaltung und die Mullwindel so zusammengelegt ist, dass diese stabil ist.

Foto: Privat
Foto: Privat

Die Ärtzin zur U3 lobte dies. Die Hüften meiner Tochter hatten sich von den Wickeln um mehrere Grad verbessert. Keine Hüftdysplasie. Gut entwickelte Säuglingshüften. Ich war sehr, sehr erleichtert.

Allgemeines zur angenehmen Lagerung von Babys

Um das Thema ein bisschen abzurunden, möchte ich euch allgemeine Tipps zur liegenden Lagerung von Säuglingen mit auf dem Weg geben.

Die 3-Stufen Lagerung

Foto : privat / Handtuch 3-fach gefaltet

Da der Kopf das schwerste Körperteil bei den Babys ist, gilt es diesen gut zu unterstützen. Hier bietet sich die 3-Stufen-Lagerung mit Hilfe eine Handtuchs an. Dazu nehmt ihr ein Handtuch und schlagt es so um, dass unten noch ein Streifen zu sehen ist. Dann schlagt ihr dieses oben nochmals an der Kante um. So müssten sich 3 gleichgroße Stufen ergeben, dass die Lagerung von oben nach unten immer flacher wird. Das fördert auch den leicht gerundeten Rücken, welchen eure Mäuse noch haben. Für das Aufrichten geben übrigens eure Mäuse den Takt vor.

Die Rückenlage

Foto: Privat / Lagerung auf dem Rücken

Neben der 3-Stufen-Lagerung, sollte auch darauf geachtet werden dass die Beine des Kindes nicht in der Luft hängen. Um etwas Kraft der Beine nach sanft nach unten abzuleiten, kann man eine Mullwindel nehmen, diese an einem Zipfel aufschütteln und wie ein Knäul unter die beine des Kindes legen.
Eine andere Unterstützung kann eine Handtuchrolle sein. Diese kann ein wenig mittig unter den Po geschoben und rund herum gelegt werden. So kann das Baby die Beine dieses ablegen legen. Am besten ist dies in den Bildern erklärt.

Foto: Privat / Lagerung auf dem Rücken

Die Seitenlage

Foto: Privat Seitenlagerung mit Handtuchrolle

Euer Kind bleibt auf dem 3-Stufen gelegten Untergrund liegen und ihr dreht es auf die Seite. Um es in dieser Position gut abzustützen, nimmst du eine lange zusammen gerollte Decke, welche von der Höhe der Schulterblätter bis unter die Beine reicht. Du kannst aber auch 2 kleinere Handtücher nehmen. Eines um den Rücken abzustützen und eines, welches vom Po bis unter das Bein reicht. Hier kann dein Baby das Beinchen auf der Rolle bequem ablegen.

Die Bauchlage

Foto: Privat / Lagerung auf dem Bauch

Kurzer Rücksprung in das Jahr 1960-1970. Man nahm damals an, dass es die Entwicklung der Hüftgelenke fördere und selbstverständlich eine schöne Kopfform bringe, wenn man die Babys möglichst häufig auf dem Bauch legt. Die Industrie lieferte hierzu sogar Panorama Kinderwagen mit Plastikscheiben. Achtung! Heute wird dies, aufgrund des plötzlichen Kindstod, nicht mehr empfohlen . Bei Hüftdysplasie gleich gar nicht. Dein Orthopäde des Vertrauens wird sagen, dass man das Kind wirklich viel auf den Rücken legen sollte. Wobei man hier auf die Kopfform aufpassen muss. Sollte dir eine Verschiebung auffallen, schildere dies dem Kinderarzt oder dem Orthopäden.
Warum die Bauchlage nicht förderlich für die Hüfte, ist ganz einfach erklärt. In dieser Position werden die Beine passiv gestreckt und der Hüftkopf wird gegen die Hüftpfannen gedrängt. Temporäre Bauchlage (ohne Probleme der Hüften) ist nicht problematisch, kann aber auch durch gutes Lagern unterstützt werden. Dabei solltest du eine kleine Handtuch wieder rollen und unter die Hüften legen. So wird der Druck etwas gemindert.

Foto: Privat / Lagerung auf dem Bauch

Das richtige Lagern sorgt dafür, dass eure Kinder für ihre Anatomie gut und bequem liegen und das begünstigt das allgemeine Wohlbefinden.

Zufriedene Babys – Zufriedene Eltern 😉

Meine zusätzlichen Quellen für diesen Artikel:
Buch: „Hüftdysplasie – Sinnvolle Hilfen für Babyhüften“ von Dr. med. Ewald Fettweis
Buch: „Baby in Balance – Weniger weinen, besser schlafen, Bewegung fördern“ von Sabine Hartz, Birgit Kienzle-Müller und Ulrike Höwer
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